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Histrionische Persönlichkeitsstörung

Der Begriff histrionische Persönlichkeitsstörung geht etymologisch auf das lateinische „histrio“ zurück. Dieses Wort bezeichnete in der Antike Schauspieler und gibt so schon erste Hinweise auf die charakteristischen Verhaltensweisen von Personen, die an dieser Störung leiden. Ein theatralisches und affektiertes Verhalten ist Histrionikern eigen, was sich nicht unbedingt negativ auswirken muss. Im Alltag werden sie bei oberflächlichen Kontakten meist als schillernde und unterhaltsame Persönlichkeiten erlebt, die Aufmerksamkeit anderer suchen. Im näheren Kontakt ergeben sich jedoch egozentrische Verhaltenszüge, die störend wirken.

Definition: Histrionische Persönlichkeitsstörung

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Histrionische Persönlichkeitsstörung

Eine histrionische Persönlichkeitsstörung wurde früher als hysterische Störung bezeichnet. Die negative Konnotation und Bedeutungsverschiebung im Sprachwandel veranlassten einen Wechsel der Begrifflichkeit. Das Verhalten der Patienten ist durch ein Streben nach Aufmerksamkeit gekennzeichnet. Betroffene bedienen sich hierfür meist einer hohen Dramatik und Affektiertheit, weshalb die Wortverwandheit mit dem Begriff der Schauspielerei nur logisch erscheint.

Symptomatik | histrionische Persönlichkeitsstörung

Die histrionische Persönlichkeitsstörung wird je nach Diagnosekatalog in einigen Punkten unterschiedlich beschrieben. Die Grundzüge stimmen jedoch überein.

Der ICD- 10 charakterisiert die histrionische Persönlichkeitsstörung mit bis zu sechs Aspekten, von denen für eine gesicherte Diagnose mindestens vier Punkte erfüllt sein müssen.

  • Theatralik und Dramatik in der Selbstdarstellung und übertriebener Ausdruck der Gefühle
  • Suggestibilität, also eine leichte Beeinflussbarkeit durch andere Personen oder durch Ereignisse labile und oberflächliche Affekte
  • ständiges hinterher sein nach aufregenden Situationen, die die eigene Person in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken
  • unangemessen verführerisches Erscheinungsbild oder Auftreten
  • übermäßige Beschäftigung mit der eigenen Attraktivität

Diese Aspekte können, müssen aber nicht, durch folgende Punkte ergänzt werden: Egozentrik, dauerhafte Suche nach Anerkennung, dauerhaftes manipulatives Verhalten, leichte Verletzbarkeit der eigenen Emotionen.
Der DSM-V nennt sogar acht Aspekte zur Diagnose für die histrionische Persönlichkeitsstörung. Für eine gesicherte Feststellung des Krankheitsbildes, müssen mindestens fünf Punkte erfüllt werden.

  • Der Betroffene fühlt sich unwohl, wenn er oder sie nicht im Mittelpunkt steht.
  • Zwischenmenschliche Interaktionen sind von Seiten des Patienten durch ein übermäßig verführerisches oder provozierendes Verhalten gekennzeichnet.
  • Der Gesichtsausdruck bleibt oberflächlich und wechselt sehr rasch.
  • Das eigene Erscheinungsbild wird genutzt, um sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.
  • Dramatisierung der eigenen Person, Theatralik und übertriebener Ausdruck der eigenen Gefühle sind alltäglich.
  • Eine leichte Beeinflussbarkeit durch andere Personen oder äußere Umstände liegt vor.
  • Beziehungen zu anderen werden als enger oder intimer aufgefasst, als sie in Wirklichkeit sind.

Laut dem DSM-V ist die histrionische Persönlichkeitsstörung grundsätzlich durch eine hohe Emotionalität und eine übermäßige suche nach Aufmerksamkeit gekennzeichnet. Die Störung beginnt meist im frühen Erwachsenenalter mit dem oben beschriebenen, typischen Verhalten.

Die unterschiedlichen Typen der histrionischen Persönlichkeitsstörung

Es existieren fünf verschiedene Typen der histrionischen Persönlichkeitsstörung, welche sich teilweise im Verhalten unterscheiden. Gemein ist

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Therapie | häufig | Verhalten

jedoch allen fünf Varianten das Streben nach Aufmerksamkeit von anderen.

  • Der theatralische Typ: Patienten scheinen jede beliebige Rolle problemlos und sehr überzeugend annehmen zu können.
  • Der hypomane Typ: Patienten sind stets hinterher nach einem Nervenkitzel und wirken sehr impulsiv und sprunghaft.
  •  Der infantile Typ: Der Patient charakterisiert sich durch ausgeprägte Gefühle von Hilfslosigkeit und Abhängigkeit. Eine hohe Angst, verlassen zu werden, bestimmt sein Verhalten.
  •  Der schmeichelnde Typ: Der Patient benötigt Zuspruch und Bewunderung anderer. Dies veranlasst ihn mitunter zu besonders aufopferungsvollem Verhalten, um den erwünschten Zuspruch zu erhalten.
  •  Der verschlagene Typ: Die Patienten sind Meister der Manipulation, sodass es ihnen gelingt, andere für ihre Zwecke zu missbrauchen.

    Überschneidung mit Dissoziativen Störungen und Konversionsstörungen

    Die histrionische Persönlichkeitsstörung zählt zu einem Krankheitsbild, welches früher als Hysterie bezeichnet wurde. Heute werden drei unterschiedliche Gruppen von Krankheitsanzeichen genannt, die unter diesem Begriff zusammengefasst waren. Neben der histrionische Persönlichkeitsstörung zählen hierzu auch die Konversionsstörungen und dissoziativen Störungen. Häufig weisen Personen mit dieser Persönlichkeitsstörung auch Symptome aus den anderen beiden Gruppen auf oder umgekehrt.

    Als Konversionsstörung werden körperliche Funktionsstörungen bezeichnet, die von Patienten mehr oder weniger absichtlich genutzt werden, um tieferliegende psychische Probleme in etwas sichtbares umzuwandeln. Hierzu zählen Lähmungen, Störungen der Seh- und Hörfähigkeit, Probleme zu sprechen, und Gleichgewichtsstörungen. Abgesehen vom fehlenden organischen Befund entsprechen die Symptome „wirklichen“ Erkrankungen und können daher eine wahre Odyssee an Ärzten veranlassen, da vermeintlich keine Ursache gefunden werden kann.

    Die Dissoziativen Störungen betreffen nicht den Körper, sondern die Psyche und schließen folgende Symptome mit ein; Amnesien (zeitlich Begrenzt), Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle und erlebte Abspaltungen der eigenen Person vom Körper.

    Behandlung | histrionische Persönlichkeitsstörung

    Medikamente zur Behandlung einer histrionischen Persönlichkeitsstörung existieren nicht. Psychopharmaka werden jedoch trotzdem eingesetzt, wenn die Persönlichkeitsstörung von anderen Krankheiten begleitet wird. Antidepressiva oder angstlösende Medikamente sind daher möglicherweise indiziert. Die Persönlichkeitsstörung sollte mit einer Psychotherapie behandelt werden. Sowohl die Psychoanalyse, als auch die kognitive oder die Verhaltenstherapie stellen mögliche Ansätze dar.